Pädagogisches Konzept
der Grundschule Fischingen
(15. Sept 2025)
Erfolgreiches Lernen beginnt bei mir,
bei meinem Engagement, bei meiner Aktivität,
bei meiner Initiative.
1. Welche pädagogischen Ideen treiben uns Lehrkräfte an?
Uns ist wichtig, dass jedes Kind an unserer Schule willkommen ist, sich in unserer Schule wohl fühlt und so angenommen wird, wie es ist.
Deshalb heißen wir jedes Kind mit all seinen besonderen Stärken und Schwächen willkommen und schätzen es. Die daraus entstehende Vielfalt an Persönlichkeiten bildet die Grundlage unserer pädagogischen Arbeit und unserer Konzeption von Unterricht.
Wir sind überzeugt davon, dass jedes Kind lernen will, wenn es genügend Zeit zum Lernen bekommt und die Aufgaben seinem Leistungsvermögen entsprechen Ziel unserer täglichen Arbeit ist es, die Kinder auf das selbstständige selbstverantwortliche Leben in der Gemeinschaft vorzubereiten. Deshalb wollen wir sowohl zur Entwicklung des Lernvermögens, aber auch zur Entwicklung der Persönlichkeit beitragen.
Genauso wichtig wie die Wissensvermittlung sind uns auch andere Bereiche: die Förderung von Leistungsfähigkeit, Leistungsbereitschaft und sozialen Verhaltensweisen ebenso wie die Förderung von Kreativität und Fantasie, sowie die Entwicklung von persönlichen Interessen und Fähigkeiten.
Im Wissen, dass die Begeisterung der Kinder ein wesentlicher Motor für gelingendes Lernen ist, ist es unser Anspruch, ihre Lebenswelt und Interessen in den Unterricht einzubeziehen. So bieten wir beispielsweise Wahlmöglichkeiten bei den MNK-Themen, lassen die Schüler ihre Projektthemen weitestgehend selbständig bestimmen und legen Wert auf regelmäßige Zusammenkünfte bei Projektpräsentationen oder bei Festen mit den Eltern.
Uns ist bewusst, dass eine friedvolle Atmosphäre die Voraussetzung für störungsfreies Lernen ist. Deshalb ist uns ein achtungsvoller Umgang in den Klassen und auf den Fluren wichtig. In unseren Familienklassen sind die Kinder gut aufgehoben und sicher. Im täglichen Zusammensein mit Kindern unterschiedlicher Altersgruppen, mit wechselnden Sitznachbarn und durch das gegenseitige Helfen erspüren die Kinder ein soziales Miteinander.
Wir sehen Fehler als notwendige Zwischenschritte, um Dinge zu begreifen und lösen zu können. Fehler sind Hinweise auf andere Denk- und Handlungsmuster. Sie geben Anlass für den Austausch mit Mitschülern und der Lehrkraft. Nur wenn Kinder sich in ihrem Selbstwertgefühlt geachtet fühlen, nur wenn Kinder sich in einem Team anerkannt fühlen, können sie sich zu einer selbständig denkenden, aktiven und empathischen Persönlichkeit entwickeln.
Unsere Aufgabe sehen wir darin, die Kinder sowohl bei ihrer Entwicklung zur Persönlichkeit als auch beim Lernen zu unterstützen und zu ermutigen. Dabei wollen wir sie durchaus herausfordern, ihre persönlichen Leistungsgrenzen zu erreichen und wenn möglich auch zu überwinden. Deshalb müssen wir die Aufgaben so wählen, dass sie eine hohe Anforderung an das Kind stellen, aber trotzdem vom Kind mit seinen Fähigkeiten gelöst werden können. Wir wollen die Kinder also gleichermaßen fördern und fordern.
2. Wie organisieren wir das Lernen?
An der Grundschule Fischingen lernen Kinder in zwei jahrgangsgemischten Familienklassen (1.-4. Klassenstufe gemeinsam). Dadurch bieten wir unseren Schülern die Möglichkeit, sich in verschiedenen Rollen auszuprobieren. In unserem Helfersystem ist jedes Kind unabhängig vom Alter einerseits der Kleine, der Hilfe von der Lehrkraft oder einem Mitschüler annimmt oder andererseits der Große, der anderen Hilfe gibt. Beim Erklären wird der Lernstoff wiederholt und neu durchdacht. Außerdem muss der Lösungsweg versprachlicht werden, was für Grundschüler eine hohe Anforderung darstellt.
Jedes Kind arbeitet täglich während der ersten zwei Stunden selbstständig an seinem Arbeitsplan, der sich aus Deutsch und Mathematik zusammensetzt.
Grundlage für die Arbeit in diesen beiden Fächern sind die vom Ministerium zugelassenen Schulbücher „Flex und Flora“ und „Flex und Flo“. Die Themen in Deutsch und Mathe sind in vier Teile aufgeteilt. Zu jedem Teil wurde ein Quartalsplan entwickelt, der alle Aufgaben der Schulbücher auflistet. Dabei haben wir darauf geachtet, dass es Differenzierungsmöglichkeiten sowohl im Umfang als auch bei den Anforderungen gibt. Die Aufgaben aus dem Buch werden mit weiteren praktischen Aufgaben aus unseren Regalen erweitert. So gelingt uns Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Jede Woche erhalten die Schüler einen Arbeitsplan, der ihnen eine Anzahl an zu bearbeitenden Seiten aus den Quartalsplänen und weitere Aufgaben (z.B. Diktatübungen, spezielle Aufgaben zu einem Themenbereich, …) vorgibt. Auch beim Arbeitsplan sind individuelle Absprachen mit einzelnen Kindern die Regel. Der Arbeitsplan und der Quartalsplan dienen als Orientierungshilfe für die Kinder. Sie geben ihnen den Rahmen für ihr wöchentliches Arbeitspensum vor. Schon Geleistetes wird im Arbeitsplan notiert und gekennzeichnet. So findet eine ständige Reflexion über die Arbeitsweise statt und Lernfortschritte werden für das Kind erfahrbar.
Wir gestalten wir die Arbeitspläne nur im Groben für alle Schüler gleich. Wir differenzieren, indem wir verschiedene Lernniveaus anbieten. Im Wissen um die verschiedenen Lerntypen bieten wir unterschiedliche (z.B. hören, spüren, schreiben) Zugangsweisen an. So berücksichtigen wir das Lerntempo jedes Kindes und lassen ihm möglichst viel Raum, um handelnd zu lernen.
Wichtig sind uns die Projektwochen, in denen unsere Schüler in jahrgangsgemischten Gruppen ein Thema selbstständig erarbeiten. Dabei wählen sie ihre Arbeitsmittel weitgehend selbst und können die Computer für Internetrecherchen benutzen. Wir Lehrkräfte begleiten die Kinder, geben Tipps und Hilfen. . . Die Abschlusspräsentationen sind kleine Höhepunkte im Schulalltag, bei denen die Eltern und Großeltern willkommene Gäste in der Schule sind.
3. Welche Rolle spielen wir Lehrkräfte im Lernprozess unserer Schüler?
In der Arbeitsplanphase geben wir Erwachsenen den Kindern Sicherheit und Verlässlichkeit, indem wir immer als Ansprechpartner da sind. Wir achten darauf, die Kinder zunächst gewähren und sie Dinge selbst (oder mit einem Mitschüler zusammen) herausfinden zu lassen. Wichtig ist uns die verbale Auseinandersetzung über ein Problem mit dem Kind oder der Kinder untereinander. Bei Fragen reagieren wir beratend und geben Anregungen. Wenn ein Kind alleine nicht mehr weiterkommt, zeigen wir Lösungswege auf.
Da wir ständig mit Fragen aus den unterschiedlichsten inhaltlichen Bereichen der verschiedenen Klassenstufen konfrontiert sind, müssen wir in hohem Maße flexibel und kompetent sein. Genau wie unsere Schüler entdecken und erfahren auch wir dabei Neues und sind somit genauso Lehrende wie Lernende.
Die Türen der Klassen- und des Lehrerzimmers an der GS Fischingen stehen immer offen. So können in einer Atmosphäre der gegenseitigen Achtung jederzeit Gespräche geführt und Hilfen geholt oder gegeben werden. Es können Klärungen stattfinden und es kann klassenübergreifend an Themen gearbeitet werden.
Jede Lehrkraft fühlt sich für alle Kinder verantwortlich. Deshalb hat eine Lehrkraft kein festgelegtes Klassenzimmer, sondern leistet in beiden Zimmern und an den Arbeitsplätzen auf dem Flur Unterstützung. Ebenso können die Kinder selber entscheiden, welche Lehrkraft sie um Hilfe bitten.
4. Wie begegnen wir den Unterschiedlichkeiten unserer Schüler?
Wir geben unser Bestes, um kein Kind nach einer Statusdiagnose zurückzulassen, an eine „besondere“ Schule abzugeben oder Kinder in speziellen Förderstunden betreuen.
Die Besonderheiten einzelner Schüler sehen wir als Ausdruck ihrer Individualität, die allesamt wertvoll sind und gefördert werden sollten. Diese Vielfalt an unterschiedlichen Begabungen können wir nicht im Gleichschritt begegnen. Um jedem Kind gerecht werden zu können und es ausreichend zu fordern und zu fördern, ist die Lernform „Arbeitsplan“ für uns die einzige adäquate Lösung.
Die unterschiedlichen Interessen, Lerngeschwindigkeiten oder Konzentrationsphasen unserer Schüler spornen uns an, ihnen zum einen verschiedene Aufgaben und Materialien anzubieten und zum anderen quantitativ differenzierte Anforderungen an sie zu stellen (z.B. Verringern der Aufgabenanzahl im Arbeitsplan). Somit haben Kinder mit erhöhtem Förderbedarf die nötige Zeit, um in ihrem Tempo zu lernen. Leistungsstarke Kinder arbeiten von Anfang an Aufgaben mit besonderen Anforderungen.
Wir arbeiten mit Quartalsplänen. Das Kind entscheidet mit Hilfe der Lehrkraft, wie lange und intensiv es ein Thema übt und überprüft am Ende seine Fähigkeit mit einem Test. Beherrscht es das Thema sicher, arbeitet es an einem anderen Thema weiter. Noch nicht erfüllte Bereiche übt es nochmals ganz gezielt. So entstehen keine Lücken und unsere Schüler haben ein sicheres Fundament, auf dem sie auch in der weiterführenden Schule aufbauen können.
Dadurch erreichen wir eine Förderung bzw. Forderung aller Kinder, den (Hoch-) Begabten genauso wie den Kindern mit Lernschwierigkeiten.
Unsere Familienklassen ermöglichen es einem Kind, die Klassen schneller oder langsamer zu durchlaufen, ohne es für seine Mitschüler offensichtlich in eine andere Klassenstufe aussondern zu müssen. Somit erhält es den nötigen Raum für individuelle Entwicklungsprozessen und ist dennoch in der vertrauten Klassengemeinschaft aufgehoben.
5. Wie bewerten wir die Leistungen unserer Schüler?
Begabung ist nicht mit Leistung gleichzusetzen. Für uns ist jedes Kind ein begabtes Kind, egal wie schnell es arbeitet oder wie viele Aufgaben es löst. Deshalb legen wir Wert darauf, dass die Lernentwicklung jedes Kindes stärkenorientiert dargestellt wird. Jeder soll rückgemeldet bekommen, dass er etwas kann.
Demzufolge gibt es keine Sanktionen, wenn ein Kind eine falsche Arbeitsweise zeigt (z.B. unkonzentriert ist), am Ende der Woche einen unvollständigen Wochenplan hat oder falsche Arbeitsergebnisse vorweist. Im Gespräch zwischen Lehrkraft und Kind und ggf. auch den Eltern soll stattdessen herausgefunden werden, welche Gründe es dafür gibt. Wichtig ist außerdem, dass umsetzbare Vorsätze gefunden werden, um eine Verbesserung der Situation herzustellen.
Uns ist wichtig, dass die Kinder nicht auf die Bewertung ihrer Leistung durch den Lehrer angewiesen sind. Sie sollen lernen, selbst festzustellen, ob sie etwas verstanden haben und sicher beherrschen oder ob sie noch daran üben müssen. Deshalb reflektiert jedes Kind täglich seine Leistung und notiert in seinem Lerntagebuch, woran und wie es gearbeitet hat und ob es Hilfe gebraucht hat. In Feedback-Gesprächen zwischen Schüler und Lehrkraft wird am Ende der Woche über die Arbeitsweise und über gelungene oder nicht so gelungene Arbeitsergebnisse gesprochen.
Klassenarbeiten im herkömmlichen Sinn (alle Kinder schreiben im selben Raum in 45 Minuten denselben Mathetest, dasselbe Diktat oder denselben Aufsatz) sind mit unseren pädagogischen Ansichten kaum zu begründen. Da wir die Kinder aber ebenso auf die weiterführende Schule vorbereiten wollen, gibt es bei uns Klassenarbeiten, aber nur in begrenzter Form. In jedem Quartal schreiben die Kinder der dritten und vierten Klasse eine Klassenarbeit in Deutsch und Mathematik. Die Arbeit wird durch gemeinsame Übungen und einem Übungsblatt vorbereitet.
Wir verzichten bei der Bewertung auf Noten. So wollen wir gewährleisten, dass die Freude des Kindes am Lernen erhalten bleibt, es keine Angst vor Klassenarbeiten haben muss und sich in der Schule wohlfühlt. Es lernt für sich und nicht für die Noten und spürt somit keinen Leistungsdruck durch den Vergleich seiner eigenen mit der Leistung anderer Kinder. Dadurch erfährt es eine Stärkung seiner Persönlichkeitsentwicklung und seines Selbstbewusstseins. Das Kind bzw. seine Eltern erhalten eine Rückmeldung darüber, was es schon sicher beherrscht und woran es weiterhin üben sollte.
Die Eltern erhalten eine Noten-Punkte-Tabelle, damit sie die Leistung des Kindes für den weiteren Bildungsweg einschätzen können.
6. Wie erleben die Erstklässler die ersten Schulwochen an unserer Schule?
Ein Arbeiten, Spielen und Lernen in jahrgangsübergreifenden Gruppen kennen die Erstklässler bestens aus dem Kindergarten. Dort haben sie alle notwendigen Grundlagen (gegenseitige Rücksichtnahme, Hilfen holen, Hilfen akzeptieren) schon erlebt und gelernt. Neu für die Erstklässler ist das gezielte Arbeiten an vorgegebenen Aufgaben.
Damit die Neuen diese Fähigkeiten gut erlernen können, verbringen sie die ersten Schulwochen noch gemeinsam als feste Gruppe in einem eigenen Klassenraum mit einer eigenen Lehrerin. Dort werden spezielle Fähigkeiten und Kenntnisse wiederholt und eingeübt. Ebenso wird die Arbeitsweise und der Umgang mit den Lehrwerken und dem Zusatzmaterial aus den Regalen erklärt und verinnerlicht.
Wenn ein Kind zeigt, dass es mit den Materialien verantwortungsbewusst und selbstständig arbeiten kann, darf es die Gruppe verlassen und sich im eigenen Tempo mit den neuen Inhalten beschäftigen. Dabei wird es eng von der Lehrkraft begleitet, bis es seinen Lernprozess selbst gestalten und organisieren kann. Regelmäßige Kontrollen und Rückmeldungen (Feedback-Gespräche) zeigen, dass das Kind auf dem richtigen Weg ist oder wo es noch Unterstützung benötigt.
So werden die Erstklässler Schritt für Schritt und zu unterschiedlichen Zeiten in die jahrgangsübergreifenden Gruppen eingebunden und an das individuelle Arbeiten an den Plänen herangeführt.
